Der Wirtschaft eine Seele geben
Veranstaltung des Senats der Wirtschaft in Salzburg.
Europa befindet sich in einer kritischen Lage. Zu viele Staaten liegen deutlich über der Verschuldung. Eines ist gewiss – der Weg heraus wird beschwerlich und nicht ohne Opfer ausfallen. Die „Europäische Idee“ droht dabei auseinanderzuklaffen, was zu massiven Unsicherheiten führt.
Das Vertrauen in das Finanzsystem ist nachhaltig erschüttert. Von „business as usual“ kann längst nicht mehr die Rede sein. Durch die aktuellen Finanzmarktturbulenzen gerät die Wirtschaft, vor allem aber die Menschen dahinter, immer mehr unter Druck. Der Kampf ums wirtschaftliche Überleben und die Angst vor einer ungewissen Zukunft, bringen viele Unternehmer an ihre menschlichen Grenzen. Längst ist ein Punkt erreicht, an dem die Wirtschaftskrise auch an der Seele ihre Spuren hinterlassen hat.
Finanzexperten, aber auch Wirtschaftspsychologen läuten Alarm – so kann es nicht mehr weiter gehen! Dies hat der Senat der Wirtschaft zum Anlass genommen und seine Jahresausklangveranstaltung am 25.November ganz unter das Thema „Der Wirtschaft eine Seele geben“ gestellt.
180 Senatorinnen und Senatoren sind der Einladung des Senat der Wirtschaft nach Salzburg gefolgt und haben sich im M32 am Mönchsberg eingefunden, um gemeinsam zu konstruktiven und vor allem menschlichen Wegen aus dieser seelenlosen Wirtschaftsentwicklung, hin zu einer Gemeinwohlökonomie zu finden.
Salzburgs LAbg. Mag. Hans Scharfetter warnte davor noch länger untätig zuzusehen. Es gilt nun rasch zu handeln und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. An einer „Schuldenbremse“ führt kein Weg vorbei. Es ist die Verpflichtung der Wirtschaft, den Menschen wieder in den Mittelpunkt ihres Handelns zu rücken und sich von purer Gewinnmaximierung zu distanzieren. Mehr denn je müssen Politik und Wirtschaft in Europa nun Einigkeit zeigen und sich wieder an Werten, wie Ethik und Fairness orientieren.
Gerechtigkeit war auch für MMag. Sonja Schmöckel, Arbeitsmarktreferentin aus dem Kabinett Hundstorfer, ein zentrales Thema. So appellierte sie, „auf die Jungen zu schauen“ und ihnen durch gemeinsames generationengerechtes Handeln den Grundstein für eine lebenswerte Zukunft zu legen. Das Gewährleisten von guter Bildung und das Verbessern der Jobchancen für junge Menschen, nennt die Vertreterin von Bundesminister Hundstorfer als oberste Priorität, um die „junge Seele“ der österreichischen Wirtschaft so unbeschadet als möglich durch die Krise zu leiten.
Ein ganz besonderes Augenmerk auf die „Seele der Wirtschaft“ legte die Arbeitspsychologin Dr. Brigitte Bösenkopf. Gleich zu Beginn ihres Vortrages gab sie zu bedenken, dass jedes Unternehmen eine Seele braucht, wenn es nachhaltigen Erfolg haben will. Trotz allen Fortschritts, dürfen wir die menschliche Seele nicht vergessen, oder gar einer rigiden Technokratisierung opfern. Letztlich besteht ein jedes Unternehmen aus Menschen, die ihrerseits bereit sind, ihre eigene Seele miteinzubringen, wenn die Wirtschaft im Sinne des Gemeinwohls agiert und der Seele somit „ein Zuhause“ gibt.
BKS Bank Vorstand, Dr. Herta Stockbauer sprach in Ihrer Rede Punkte an, die viele Wirtschaftstreibende zweifellos sehr beschäftigen. Die Wirtschaft und Finanzindustrie stehen vor großen Herausforderungen, denn die Krise betrifft uns alle. Gerade jetzt ist es wichtig an einem Strang zu ziehen und sich auf ein faires Miteinander zu konzentrieren zu besinnen. Krisen können mit der richtigen Einstellung auch dazu führen, dass große und ungeahnte Kräfte freigesetzt werden und sogar Kreativität fließt. Als wichtige Faktoren nannte sie „Einsatz und Menschlichkeit“. Zwei Werte, die Frau Dr. Stockbauer auch durch ihren persönlichen Einsatz für die Unternehmensplattform RESPECT lebt.
Einer der bewegendsten Momente waren die Worte, die Frau Rosi Gollmann, Gründerin der Andheri-Hilfe, an die Gäste richtete. Es gab niemanden, den ihr Vortrag nicht aufgerüttelt und tief berührt hat. Seit mehr als 50 Jahren setzt sich Frau Gollmann unermüdlich in Indien und Bangladesch ein und hat nunmehr u.a. 1,2 Mio. Blinde geheilt. Dabei hat sie bewiesen, dass sich caritative Arbeit sehr wohl mit Unternehmergeist verträgt und so Berge versetzen können. „Wenn man Menschen helfen will, dann muss man ihnen vor allem dabei helfen, sich selbst zu helfen, denn sonst nimmt man ihnen ihre Würde. Und das darf nie passieren!“, so die Frau, die uns allen ein Vorbild für gelebte Werte der Menschlichkeit und Seele ist. Der Senat der Wirtschaft hat für 2012 die Schirmherrschaft für die Andheri-Hilfsprojekte übernommen und freut sich, mit der Hilfe seiner Senatorinnen und Senatoren, Frau Rosi Gollmann in ihrer wunderbaren Arbeit zu unterstützen.
Nach den inspirierenden Reden der Ehrengäste, wurden den jüngsten Senatorinnen und Senatoren die Senats-Urkunden in feierlichem Rahmen überreicht.
Abends lud der Senat in die stimmungsvollen Kavernen des Mönchsbergs zur „Operngala im Berg“. Die internationalen Jungkünstler begeisterten in festlichem Rahmen mit den schönsten Arien großer Opern und rissen das Publikum mit ihrem Talent und Temperament mit. Kein Wunder, dass es zum Schluss tobenden Applaus und Standing Ovations für die jungen Opernsänger gab. Der Senat der Wirtschaft wird das Ausnahmeprojekt „Oper im Berg“ und seine Sänger auch künftig fördern. Das größte Anliegen der Kunst ist es, Botschaften mitzuteilen. Die Wirtschaft kann der Kunst ein Forum dafür schaffen und ihr so, zu Lebendigkeit verhelfen. Eine Lebendigkeit, von der auch der gesellige Ausklang dieses unvergesslichen Abends geprägt war.
Eines ist an diesem 25. November ganz bestimmt gelungen – der Wirtschaft wurde an diesem Tag in jeder nur erdenklichen Art Seele geschenkt. Kann ein Jahr schöner ausklingen?