Die Pfuscher
Ehrliche Firmen sind die Verlierer
Pfusch, vor allem am Bau, schadet der Wirtschaft, den Sozialversicherungen und den Staatsfinanzen enorm. Rund eine Milliarde Euro gehen der Finanz un den Sozialversicherungen im Jahr verloren, so die Berechnungen des Linzer Volkswirtschaftsprofessors Friedrich Schneider.
Pfusch am Bau hat mehrere Seiten. Einerseits arbeitet der Häuslbauer mit Freunden gerne am Wochenende am Hausbau. Diese guten Bekannten sind aber sehr oft nur gegen Entgelt bereit, mitzuhelfen. Das größte Problem sind aber die Scheinfirmen, die Aufträge annehmen. Oft werden die Arbeiter sogar angemeldet, aber bevor es zur Zahlung an die Sozialversicherung und an das Finanzamt kommt, geht die Firma in Konkurs. Der Geschäftsführer zieht sich ins Ausland zurück.
Verstärkte Kontrollen Die Kontrollen werden nun verstärkt. Mitarbeiter der Bauarbeiter Urlaubs-und Abfertigungskasse BUAK, einem der Hauptgeschädigten dieser Praktiken, dürfen seit neuestem die Baustellen betreten, Ausweise der Arbeiter verlangen und die Firma, für die sie arbeiten, feststellen. Dies geschieht zusätzlich zu der KIAB, der Sondereinheit des Finanzministeriums. Das Geflecht der Scheinfirmen soll mit diesen Maßnahmen aufgedeckt werden. 2008 sind 26.700 Kontrollen durchgeführt worden. Bei rund einem Drittel der Kontrollen stößt man auf Ungereimtheiten. Wird man erwischt, so drohen Steuernachzahlungen. Strafsteuer (das Doppelte des hinterzogenen Betrages) und bei Wiederholungstätern Haftstrafen.
Wer Pfuscher beauftragt, geht ein Risiko ein. Die für eine gewerbliche Tätigkeit abgeschlossene Haftpflichtversicherung bietet nur Deckung im Umfang der Gewerbeberechtigung. Pfuscher haben meist überhaupt keine Haftpflichtversicherung. Somit werden Schadensfälle nicht von einer Versicherung gedeckt. Bei Pfuscharbeiten gibt es keine Garantie und meist auch keine Gewährleistung. Geringe Sachkenntnis bedingt Mängel in der Ausführung. Bei Schadenseintritt ist der Pfuscher meist nicht mehr greifbar bzw. vermögenslos. Kommt es zu Personenschäden, können die finanziellen Folgen dramatisch sein. Personen ohne Gewerbeberechtigung handeln rechtswidrig, erscheinen daher insgesamt nicht vertrauenswürdig, erfüllen häufig ihre gesetzliche Gewährleistungspflicht nicht und eine Rechtsverfolgung ist bei ihnen erschwert. Einer Verwaltungsübertretung (Geldstrafe bis zu Euro 2.180,–) macht sich auch der Auftraggeber schuldig, der sich eine Tätigkeit besorgen lässt oder jemanden zu einer Tätigkeit veranlasst, obwohl er wissen musste, dass sich dieser dadurch der unbefugten Gewerbeausübung schuldig macht.
In Österreich wird freilich der Pfusch als Kavaliersdelikt von einer breiten Schicht der Bevölkerung gesehen. Anders sehen dies die ehrlichen Firmen, die mit den Pfuscherfirmen in Konkurrenz stehen.
Ohne Abgaben an die Sozialversicherungen, ohne Mehrwertsteuer und ohne Finanzabgaben kalkulieren die Pfuscher.
Somit verdienen sie, auch wenn sie billiger anbieten, mehr an einem Auftrag.
Eine Abhilfe und eine Unterstützung für die Wirtschaft wäre die Einführung des sogenannten Luxemburger Modells. Bei diesem Steuermodell kann die Mehrwertsteuer auch von Privatpersonen abgezogen werden.